Dokumentation
Vollständige Dokumentation für Erdwärmebohrungen nach VDI 4640 — Deckblatt, Ausbauprotokoll, Druckprotokoll, Schichtenverzeichnis und Nebenbestimmungen in einem Dokument.
Stand: Februar 2026 · Aufbau nach VDI 4640
Direkt zum FormularWas ist die Dokumentation?
Die Dokumentation ist das vollständige Dokumentationspaket, das nach Abschluss aller Bohrarbeiten an die zuständige Behörde übermittelt wird. Sie fasst sämtliche Protokolle, Prüfnachweise und geologische Aufzeichnungen eines Erdwärmeprojekts in einem geschlossenen Dokument zusammen — vom Deckblatt mit den Projekteckdaten bis zur formalen Bestätigung, dass alle Nebenbestimmungen eingehalten wurden.
Die Dokumentation wird nicht während der Bohrung erstellt. Sie ist das Ergebnis der gesamten Projektdokumentation, zusammengestellt nach dem letzten Anbindetermin und der finalen Druckprüfung der Gesamtanlage. Ohne vollständige Dokumentation gilt ein Erdwärmeprojekt gegenüber der Behörde als nicht abgeschlossen.
Wer verlangt die Dokumentation?
Die Einreichpflicht ergibt sich aus dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG § 49) und den Auflagen der wasserrechtlichen Erlaubnis beziehungsweise Bohranzeige. Der Empfänger variiert je nach Bundesland:
- Berlin: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (Referat II D)
- Brandenburg: Untere Wasserbehörde beim Landkreis
- Bayern: Bergamt (bei Bohrungen über 100 m) oder Landratsamt
- Baden-Württemberg, NRW, Hessen: Untere Wasserbehörde
- Niedersachsen: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) für tiefe Bohrungen
Die Behörde prüft anhand der eingereichten Dokumentation, ob die Bohrung fachgerecht ausgeführt, die Sonden dicht eingebaut und der Ringraum normgerecht verpresst wurde. Erst nach positiver Prüfung gilt die Bohranzeige als abgeschlossen.
Was gehört in die Dokumentation?
Eine vollständige Dokumentation besteht aus mehreren Teilprotokollen, die zusammen ein lückenloses Bild des gesamten Projekts ergeben. Die folgende Struktur orientiert sich an den Anforderungen der VDI 4640 und der gängigen Behördenpraxis.
1. Deckblatt mit Projektdaten
Das Deckblatt ist das Anschreiben an die Behörde. Es enthält alle wesentlichen Eckdaten des Projekts auf einen Blick:
- Aktenzeichen der Bohranzeige oder wasserrechtlichen Genehmigung
- Ausführende Firma und Auftraggeber
- Projektadresse
- Bohrdurchmesser, Richtung und Aufschlussart
- Anzahl der geplanten und tatsächlich ausgeführten Bohrungen
- Bohrzeitraum und maximale Bohrtiefe
- Auflistung aller beigefügten Protokolle
2. Ausbauprotokoll (pro Bohrloch)
Das Ausbauprotokoll dokumentiert den Sondeneinbau und die Verpressung des Ringraums. Es wird für jedes einzelne Bohrloch separat erstellt.
Verfüllung und Verpressung:
Das Verpressprodukt muss namentlich benannt und als geothermisch zugelassen nachgewiesen werden. Die Materialdichte wird sowohl am Mischer als auch am Bohrlochauslauf gemessen und protokolliert. Kernstück der Verpressdokumentation ist der Soll-Ist-Vergleich: Die Sollmenge ergibt sich aus dem Ringraumvolumen, die Istmenge aus dem tatsächlichen Verbrauch. Eine Mehrmenge deutet auf Klüfte oder Hohlräume hin, die sich während der Verpressung gefüllt haben. Zusätzlich werden Verpressdauer, Verpressdruck und etwaige Unterbrechungen festgehalten.
Qualitätskontrollen:
- Regelmäßige Lotung zur Kontrolle der Verfüllung
- Spülungswaage zur Überwachung der Suspensionsdichte
- Einhaltung der Abbindzeit
- Rückstellproben (sofern vorhanden)
Bohrarbeiten und Sondeneinbau:
Grundwasserstand, Spülungsverluste und Lagerung der Bohrproben werden ebenso dokumentiert wie die Einbaumethode der Sonde (von der Haspel, Gewebepacker), die Dichtigkeitsprüfung und die Drucküberwachung während des Einbaus.
3. Druckprotokoll Bohrtermin (pro Bohrloch)
Unmittelbar nach dem Sondeneinbau wird für jedes Bohrloch eine Dichtigkeitsprüfung durchgeführt und in einem separaten Druckprotokoll festgehalten.
Sondenspezifikation:
- Hersteller, Außendurchmesser, Sondenmaterial (z. B. PE 100 RC) und Sondentyp (Einfach-U, Doppel-U, Koaxial)
- Eingesetzte Prüfflüssigkeit
Dichtigkeitsprüfung vor Verfüllung:
Vor dem Verpressen des Ringraums wird die Sonde gespült und auf Durchfluss und Druckdichtigkeit geprüft. Dokumentiert werden: optische Prüfung, Durchflussmenge (l/min), Druck während Durchfluss (bar) und Ergebnis.
Dichtigkeitsprüfung nach Verfüllung:
Nach der Verpressung folgt die abschließende Druckprüfung gemäß VDI 4640 (Prüfdruck, Haltedauer und Toleranz nach Norm). Prüfungsart ist das Beobachten des Druckabfalls.
4. Schichtenverzeichnis (pro Bohrloch)
Die geologische Schichtbeschreibung nach DIN EN ISO 14688 (Boden) und DIN EN ISO 14689 (Fels) bildet die Grundlage für das Schichtenverzeichnis. Pro Bohrloch wird dokumentiert:
- Tiefenintervalle der angetroffenen Schichten
- Benennung der Bodenart und Beimengungen
- Farbe und Beschaffenheit
- Bohreigenschaften (leicht/schwer zu bohren)
- Hauptbodenarten (z. B. Sand, Geschiebemergel, Tonstein)
Das Schichtenverzeichnis ist auch für den Landesgeologischen Dienst relevant, der die Daten in das geologische Landeskataster übernimmt.
5. Zeichnerische Darstellung der Bohrprofile
Grafische Darstellung jedes Bohrprofils mit Tiefenskala, Schichtgrenzen und Ausbaudetails. Enthält den Namen des qualifizierten Bohrers, das Bohrdatum und den geodätischen Festpunkt.
6. Druckprotokoll Anbindetermin
Nach der Anbindung aller Sonden an die Verteilerleitung wird die Gesamtanlage einer abschließenden Druckprüfung unterzogen. Dieses Protokoll wird oft vergessen, ist aber zwingend erforderlich.
Materialspezifikation:
Rohrmaterial und Fittings (z. B. Plasson Elektroschweißmuffen PN16) werden mit Zulassungen und Prüfzeichen (DVGW) dokumentiert.
Schweißverbindungen am Sondenfuß:
Die Verbindungen werden bei erhöhtem Prüfdruck über die vorgeschriebene Haltedauer geprüft.
Gesamtanlagenprüfung:
Die gesamte Anlage wird mit dem endgültigen Wärmeträgermedium (Sole) befüllt und geprüft. Dokumentiert werden:
- Soleflüssigkeit (Produkt, Füllmenge, Mischungsverhältnis)
- Prüfdruck (gemäß VDI 4640)
- Prüfdauer und Druckverlauf in definierten Intervallen
- Maximal zulässiger Druckabfall gemäß Norm
7. Bestätigung über die Einhaltung von Nebenbestimmungen
Formale Erklärung der Bohrfirma gegenüber dem Auftraggeber und der Behörde, dass alle Arbeiten den Anforderungen der VDI 4640 und der DVGW W 120-2 entsprechen, die Vorschriften der zuständigen Wasserbehörde eingehalten und die Anlage gemäß dem aktuellen Merkblatt für oberflächennahe Erdwärmenutzung errichtet wurde.
Umfang bei mehreren Bohrlöchern
Die Teilprotokolle 2 bis 5 (Ausbauprotokoll, Druckprotokoll Bohrtermin, Schichtenverzeichnis, Bohrprofil) werden pro Bohrloch erstellt. Bei einem Projekt mit 10 Bohrlöchern enthält die Dokumentation dementsprechend 40 Einzeldokumente allein für diese vier Protokolltypen — zuzüglich Deckblatt, Druckprotokoll Anbindetermin und Nebenbestimmungs-Bestätigung.
Das verdeutlicht, warum eine konsistente Protokollführung während der Bohrarbeiten unverzichtbar ist. Wer am Ende des Projekts Protokolle nachträglich erstellen muss, riskiert Fehler, Inkonsistenzen und Verzögerungen bei der Behördenabnahme.
Häufige Fehler bei der Dokumentation
- Unvollständige Protokolle pro Bohrloch: Jedes Bohrloch braucht ein eigenes Ausbauprotokoll, Druckprotokoll und Schichtenverzeichnis. Fehlende Einzelprotokolle sind der häufigste Grund für Nachforderungen durch die Behörde.
- Fehlende Soll-Ist-Vergleiche bei der Verpressung: Die Differenz zwischen Soll- und Istmenge der Verpresssuspension muss dokumentiert werden. Erhebliche Abweichungen deuten auf Klüfte oder Hohlräume hin und müssen fachlich begründet werden.
- Druckprotokoll ohne Prüfung vor und nach Verfüllung: Beide Prüfzeitpunkte sind erforderlich. Wird nur die Prüfung nach Verfüllung dokumentiert, fehlt der Nachweis, dass die Sonde bereits vor der Verpressung dicht war.
- Kein Druckprotokoll vom Anbindetermin: Die Gesamtanlagenprüfung mit Sole und 60-Minuten-Haltedauer wird regelmäßig vergessen oder nicht als eigenes Protokoll dokumentiert.
- Aktenzeichen fehlt oder stimmt nicht überein: Ohne korrektes behördliches Aktenzeichen kann die Dokumentation nicht zugeordnet werden. Das Aktenzeichen muss exakt mit der Bohranzeige-Genehmigung übereinstimmen.
- Materialdichten nicht an beiden Messpunkten: Die Dichte der Verpresssuspension muss sowohl am Mischer als auch am Bohrlochauslauf gemessen werden. Eine einzelne Messung reicht nicht aus.
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