VDI 4645 — Wärmepumpenanlagen planen, die Schnittstelle für Bohrfirmen
Die VDI 4645 regelt die Planung, Errichtung und den Betrieb von Wärmepumpenanlagen in Wohngebäuden. Für Bohrfirmen definiert sie die Schnittstelle zum Heizungsbauer — wer was plant, wer was liefert.
Stand:
Warum VDI 4645 für Bohrfirmen relevant ist
Wenn Heizungsbauer und Bohrfirma nicht nach derselben Norm planen, zahlt am Ende der Bauherr: Die Anlage läuft, aber nicht effizient. Die Wärmepumpe taktet zu oft, die Jahresarbeitszahl bleibt unter den Erwartungen, oder die Sonde wird thermisch überlastet. VDI 4645 definiert, wer was plant — und wo die Bohrfirma liefern muss.
Die VDI 4645 (vollständiger Titel: “Heizungsanlagen mit Wärmepumpen in Ein- und Mehrfamilienhäusern — Planung, Errichtung, Betrieb”) ist die zentrale Planungsrichtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) für Wärmepumpenanlagen in Wohngebäuden. Die aktuelle Ausgabe stammt vom April 2023 und ersetzt die Fassung von 2018. Sie umfasst 208 Seiten, 12 Kapitel und 12 Anhänge — und behandelt alle marktüblichen Wärmepumpentypen zur Raumheizung und Trinkwassererwärmung (VDI 4645:2023-04, VDI Verlag).
Für Bohrfirmen ist die VDI 4645 deshalb relevant, weil sie die Schnittstelle zwischen Wärmequelle und Gesamtanlage definiert. Die Erdwärmesondenanlage liefert die Quellenenergie — aber wie viel, bei welcher Temperatur und mit welchem Volumenstrom, das bestimmt die Gesamtanlagenplanung nach VDI 4645.
VDI 4645 vs. VDI 4640 — die Abgrenzung
Viele Bohrfirmen kennen die VDI 4640 als ihr zentrales Regelwerk. Die VDI 4645 ist kein Ersatz dafür — sie ist die Ergänzung auf der Anlagenseite.
| Kriterium | VDI 4640 | VDI 4645 |
|---|---|---|
| Gegenstand | Thermische Nutzung des Untergrunds | Heizungsanlagen mit Wärmepumpen |
| Fokus | Erdwärmequelle (Sonde, Kollektor, Grundwasser) | Gesamtanlage (Wärmepumpe, Speicher, Hydraulik, Regelung) |
| Kerninhalte | Sondenauslegung, Bohrung, Verpressung, Betrieb | Heizlastberechnung, Wärmepumpenauswahl, hydraulische Schaltung, Inbetriebnahme |
| Zielgruppe | Bohrfirmen, Geologen, Planer | Heizungsbauer, SHK-Betriebe, Planer, Energieberater |
| Letzte Ausgabe | Blatt 2: 2019 | 2023 |
Die VDI 4645 verweist in Kapitel 8.9 explizit auf die VDI 4640 Blatt 2, wenn es um die Dimensionierung der Erdwärmequelle geht. Umgekehrt setzt die VDI 4640 voraus, dass die Heizlast und der Wärmebedarf korrekt ermittelt wurden — und genau diese Ermittlung regelt die VDI 4645.
Die Faustregel: VDI 4640 deckt alles im Bohrloch ab. VDI 4645 deckt alles im Haus ab. Die Schnittstelle liegt am Sondenkopf.
Die Planungsstufen nach VDI 4645
Die VDI 4645 strukturiert die Planung einer Wärmepumpenanlage in klar definierte Phasen. Für Bohrfirmen ist entscheidend, in welcher Phase sie einbezogen werden — und welche Informationen sie zu diesem Zeitpunkt liefern müssen.
1. Voruntersuchung
In der Voruntersuchung werden die Rahmenbedingungen geprüft: Ist das Gebäude für eine Wärmepumpe geeignet? Welche Wärmequelle kommt in Frage? Die VDI 4645 fordert hier die Prüfung von Verordnungen (GEG, F-Gase-Verordnung, TA Lärm), Aufstellraumanforderungen und Schallschutz. Für Erdwärme heißt das: Ist eine Bohrung am Standort genehmigungsfähig? Liegt das Grundstück in einem Wasserschutzgebiet?
Aufgabe der Bohrfirma in dieser Phase: Erste Standortbewertung, Prüfung der Genehmigungsfähigkeit, grobe Machbarkeitseinschätzung auf Basis verfügbarer geologischer Daten.
2. Konzepterstellung (Grundlagenermittlung)
In Kapitel 8 der VDI 4645 werden die technischen Grundlagen ermittelt: Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, Auswahl der Wärmequelle (Tabelle 6 vergleicht Erdwärmesonden, Erdwärmekollektoren, Grundwasser und Außenluft nach Verfügbarkeit, Eigenschaften und Kosten), Festlegung der Betriebsweise (monovalent oder bivalent) und Dimensionierung der Wärmepumpe.
Aufgabe der Bohrfirma in dieser Phase: Geologische Daten liefern (Geologie am Standort, zu erwartende Wärmeleitfähigkeit, Grundwasserverhältnisse), Bohrmeter und Sondenanzahl abschätzen, Kostenangebot erstellen.
3. Detailplanung
Die Detailplanung (Kapitel 9) konkretisiert alle Anlagenkomponenten: hydraulische Schaltung (die VDI 4645 enthält in Anhang F 15 Varianten für verschiedene Konfigurationen), MSR-Technik, Speicherdimensionierung und Leistungsverzeichnis. Hier werden auch die Anforderungen an den Wärmequellenkreis festgelegt — Quellentemperaturen, Volumenströme, Druckverluste.
Aufgabe der Bohrfirma in dieser Phase: Detailauslegung der Erdwärmesondenanlage nach VDI 4640 Blatt 2, Abstimmung der hydraulischen Anbindung mit dem Heizungsbauer (Volumenstrom, Druckverlust im Sondenkreis, Frostschutzmittel-Konzentration), Ermittlung der minimal erreichbaren Soletemperatur.
4. Ausführung
Die Ausführung umfasst die Errichtung der gesamten Anlage. Die Bohrfirma führt die Bohrung, den Sondeneinbau und die Verpressung nach VDI 4640 Blatt 2 aus. Die VDI 4645 regelt parallel die Installation der Wärmepumpe, der Hydraulik und der Regelung durch den Heizungsbauer.
Aufgabe der Bohrfirma in dieser Phase: Normgerechte Ausführung der Bohrung, Druckprüfung, Verpressung, Dokumentation (Bohrprotokoll, Druckprüfprotokoll, Verpressprotokoll), Übergabe der Anlagendaten an den Heizungsbauer.
5. Inbetriebnahme und Abnahme
Die VDI 4645 fordert in Kapitel 10 und 11 eine strukturierte Inbetriebnahme: hydraulischer Abgleich, Regelungseinstellung, Dokumentation und Unterweisung des Betreibers. Anhang L enthält Checklisten für Inbetriebnahme, Fehlersuche und Wartung.
Aufgabe der Bohrfirma in dieser Phase: Bereitstellung aller Ausführungsunterlagen, Bestätigung der erreichten Entzugsleistung, Übergabe des Anlagenbuchs für den Wärmequellenkreis.
Was VDI 4645 im Bereich Erdwärmesonden regelt
Die VDI 4645 behandelt Erdwärmesonden nicht als isolierte Komponente, sondern als Teil des Wärmequellenkreises der Gesamtanlage. In Kapitel 8.9 werden die vier Wärmequellentypen (Erdwärmesonden, Erdwärmekollektoren, Grundwasser, Außenluft) mit ihren Eigenschaften beschrieben und verglichen.
Für Sole/Wasser-Wärmepumpen mit Erdwärmesonden definiert die VDI 4645 folgende Anforderungen an die Schnittstelle:
Quellentemperaturen: Die minimale Soletemperatur im Betrieb muss mit der Betriebsgrenze der Wärmepumpe abgestimmt sein. Die VDI 4640 definiert Richtwerte für die minimale Soletemperatur im Dauer- und Spitzenlastbetrieb. Die VDI 4645 setzt diese Werte als Planungsgrundlage für die Wärmepumpenauswahl voraus.
Hydraulische Einbindung: Die VDI 4645 legt fest, wie der Wärmequellenkreis in die Gesamthydraulik eingebunden wird — Umwälzpumpe, Ausdehnungsgefäß, Sicherheitsventil, Schmutzfänger und die Anbindung an die Wärmepumpe. Die 15 hydraulischen Schaltungsvarianten in Anhang F berücksichtigen verschiedene Kombinationen mit Pufferspeicher, Trinkwasserspeicher und Zusatzheizung.
Volumenstrom und Druckverlust: Der Planer muss den erforderlichen Volumenstrom im Sondenkreis festlegen. Dieser ergibt sich aus der Entzugsleistung und der Temperaturspreizung. Die Bohrfirma muss den Druckverlust der Sondenanlage berechnen und an den Planer melden, damit die Solepumpe korrekt dimensioniert wird.
Wärmeträgerflüssigkeit: Die VDI 4645 verweist auf die Anforderungen der VDI 4640 bezüglich Frostschutzmittel (Ethylenglykol oder Propylenglykol). In Grundwassernähe wird Propylenglykol wegen der besseren Umweltverträglichkeit bevorzugt. Konzentrationsvorgaben sind den jeweiligen Richtlinien zu entnehmen.
Die Zuständigkeitsmatrix — wer macht was
Eines der wichtigsten Werkzeuge der VDI 4645 ist die Zuständigkeitsmatrix in Kapitel 7 (Tabelle 3). Sie ordnet jeder Planungs- und Ausführungsphase die beteiligten Akteure zu: Bauherr, Planer, Energieversorger, Heizungsbauer, Bohrfirma und Behörden.
Für die typische Erdwärme-Projektabwicklung ergibt sich folgende Aufgabenteilung:
| Aufgabe | Verantwortlich |
|---|---|
| Heizlastberechnung | Planer / Heizungsbauer |
| Wärmepumpenauswahl und -dimensionierung | Planer / Heizungsbauer |
| Hydraulisches Konzept | Planer / Heizungsbauer |
| Auslegung Erdwärmesondenanlage | Bohrfirma (nach VDI 4640 Blatt 2) |
| Bohrung, Sondeneinbau, Verpressung | Bohrfirma |
| Druckprüfung Sondenkreis | Bohrfirma |
| Installation Wärmepumpe und Hydraulik | Heizungsbauer |
| Hydraulischer Abgleich | Heizungsbauer |
| Inbetriebnahme Gesamtanlage | Heizungsbauer / Planer |
| Behördliche Genehmigung Bohrung | Bohrfirma (Bohranzeige) |
| Dokumentation und Übergabe | Alle Beteiligten |
Diese Matrix macht die VDI 4645 besonders wertvoll: Sie schafft Klarheit, wo die Verantwortung der Bohrfirma endet und wo die des Heizungsbauers beginnt.
Qualifikation nach VDI 4645 Blatt 1
Die VDI-MT 4645 Blatt 1 (ebenfalls Ausgabe April 2023) definiert ein Schulungs- und Qualifikationskonzept für Fachkräfte, die Wärmepumpenanlagen planen, errichten und betreiben. Es gibt drei Schulungskategorien:
| Kategorie | Zielgruppe | Schulungsdauer | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| E (Errichtung) | Installateure, Monteure | 560 Minuten | Errichtung, Instandsetzung, Wartung |
| P (Planung) | Planer, Ingenieure, Energieberater | 595 Minuten | Planung, Beratung, Konzepterstellung |
| PE (Planung + Errichtung) | Meister, Geschäftsführer SHK-Betriebe | 800 Minuten | Kombination aus Planung und Errichtung |
Die Prüfung erfolgt online mit 40–45 Multiple-Choice-Fragen in 120 Minuten. Voraussetzung ist eine entsprechende Berufsausbildung oder mehrjährige Praxiserfahrung. Wer besteht, erhält den Qualifikationsnachweis “Sachkundiger für Wärmepumpensysteme nach VDI 4645” und wird in das offizielle VDI-Register eingetragen (VDI-MT 4645 Blatt 1:2023-04).
Für Bohrfirmen ist die Kategorie PE am relevantesten — insbesondere für Geschäftsführer und Projektleiter, die den gesamten Planungsprozess verstehen und mit Heizungsbauern und Planern auf Augenhöhe kommunizieren wollen. Die Schulungen werden vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP), vom VDI selbst und von zugelassenen Schulungsanbietern durchgeführt (BWP, waermepumpe.de).
Typische Fehler, wenn VDI 4645 nicht beachtet wird
In der Praxis treten Probleme nicht durch Gerätedefekte auf — die Wärmepumpen selbst arbeiten zuverlässig. Fehler entstehen fast immer durch mangelhafte Planung oder fehlende Abstimmung zwischen den Gewerken (VDI 4645:2023-04, Kapitel 1). Hier die häufigsten Konstellationen aus Sicht der Bohrfirma:
Heizlast falsch berechnet — Sonde unterdimensioniert
Der Heizungsbauer schätzt die Heizlast zu niedrig, bestellt eine kleinere Wärmepumpe, die Bohrfirma legt die Sonde entsprechend aus. Im Betrieb reicht die Entzugsleistung nicht, die Soletemperatur sinkt zu weit ab, die Wärmepumpe geht auf Störung. Die Bohrfirma hat korrekt nach Vorgabe gebohrt — aber die Vorgabe war falsch.
VDI 4645 verhindert das: Die Richtlinie fordert eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 als Grundlage für die gesamte Anlagenplanung (Kapitel 8). Wenn die Bohrfirma diese Berechnung einfordert, bevor sie die Sondenauslegung startet, wird der Fehler frühzeitig erkannt.
Hydraulik nicht abgestimmt — Volumenstrom passt nicht
Der Heizungsbauer plant die Hydraulik, ohne den Druckverlust der Sondenanlage zu kennen. Die Solepumpe ist zu klein dimensioniert, der Volumenstrom reicht nicht, die Wärmeübertragung im Sondenkreis ist unzureichend. Die Anlage läuft ineffizient.
VDI 4645 verhindert das: Die Richtlinie fordert die Abstimmung des Wärmequellenkreises mit der Anlagenhydraulik. Die Bohrfirma muss den Druckverlust der Sondenanlage berechnen und dem Planer mitteilen. Der Planer dimensioniert die Solepumpe auf dieser Grundlage (Kapitel 9).
Keine Dokumentation — Gewährleistung wird zum Problem
Die Bohrfirma erstellt die Sonde, der Heizungsbauer schließt an. Zwei Jahre später funktioniert die Anlage nicht richtig. Ohne saubere Dokumentation der Schnittstelle — welche Quellentemperatur wurde zugesagt, welcher Volumenstrom übergeben — kann die Bohrfirma nicht nachweisen, dass ihr Gewerk korrekt ausgeführt wurde.
VDI 4645 verhindert das: Die Checklisten in Anhang D (Konzept- und Detailplanung) und Anhang L (Inbetriebnahme) schaffen eine dokumentierte Übergabe zwischen den Gewerken.
Was VDI 4645 für Ihre Praxis bedeutet
Die VDI 4645 ist kein Regelwerk, das Bohrfirmen von Anfang bis Ende lesen müssen. Aber sie müssen die Kapitel kennen, die ihre Schnittstelle betreffen — und sie müssen einfordern, dass die Heizungsbauer sie anwenden.
Drei konkrete Handlungsempfehlungen:
-
Heizlastberechnung einfordern: Nehmen Sie keine Sondenauslegung vor, ohne eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 vom Planer oder Heizungsbauer erhalten zu haben. Die VDI 4645 gibt Ihnen die Grundlage, das als Standardanforderung zu kommunizieren.
-
Schnittstellendaten dokumentieren: Übergeben Sie dem Heizungsbauer nach Abschluss der Bohrarbeiten ein vollständiges Datenblatt mit: erreichter Bohrtiefe, geologischem Profil, Druckverlust der Sondenanlage, Frostschutzmittel-Typ und -Konzentration, sowie der zu erwartenden minimalen Soletemperatur.
-
VDI 4645 Blatt 1 als Qualifikation prüfen: Wenn Sie regelmäßig mit Heizungsbauern zusammenarbeiten, achten Sie darauf, ob diese nach VDI 4645 qualifiziert sind. Das VDI-Register “Sachkundige für Wärmepumpensysteme” ist öffentlich einsehbar und gibt Ihnen Sicherheit, dass die Anlagenplanung auf fachlich solidem Boden steht.
Quellen:
- VDI 4645 (2023-04): Heizungsanlagen mit Wärmepumpen in Ein- und Mehrfamilienhäusern — Planung, Errichtung, Betrieb. VDI Verlag, Düsseldorf.
- VDI-MT 4645 Blatt 1 (2023-04): Heizungsanlagen mit Wärmepumpen — Schulungen, Prüfungen, Qualifizierungsnachweise. VDI Verlag, Düsseldorf.
- VDI 4640 Blatt 2 (2019-06): Thermische Nutzung des Untergrunds — Erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen. VDI Verlag, Düsseldorf.
- Bundesverband Wärmepumpe (BWP): Schulungen nach VDI-MT 4645 Blatt 1.
- VDI: VDI 4645 Planung von Heizungsanlagen mit Wärmepumpen.
- energie-experten.org: Wärmepumpen-Planung nach VDI 4645.
- cci Dialog GmbH: Die VDI 4645: Wärmepumpen in Wohngebäuden (2023).
- DGWZ: Neue VDI 4645 zur Planung von Wärmepumpen.
Häufige Fragen
Was regelt VDI 4645 — und was nicht?
Die VDI 4645 (Ausgabe April 2023) regelt die Planung, Errichtung und den Betrieb von Heizungsanlagen mit Wärmepumpen in Ein- und Mehrfamilienhäusern. Sie deckt alle marktüblichen Wärmepumpentypen ab — Luft/Wasser, Sole/Wasser, Wasser/Wasser — und behandelt den vollständigen Planungsprozess von der Voruntersuchung bis zur Inbetriebnahme und Wartung. Was sie nicht regelt, ist die detaillierte Auslegung der Erdwärmequelle selbst. Für die Dimensionierung von Erdwärmesonden verweist die VDI 4645 auf die VDI 4640 Blatt 2. Die VDI 4645 definiert, was die Wärmequelle liefern muss — die VDI 4640 definiert, wie das technisch umgesetzt wird.
Gilt VDI 4645 auch für Sanierungsanlagen?
Ja. Die VDI 4645 gilt sowohl für Neubauten als auch für Bestandsgebäude, in denen eine Wärmepumpenanlage nachgerüstet oder eine bestehende Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt wird. Gerade bei Sanierungen ist die Richtlinie besonders wertvoll, weil sie systematisch prüfen lässt, ob das Gebäude für den Wärmepumpenbetrieb geeignet ist — etwa durch Bewertung der vorhandenen Heizflächen, der Heizlast und der realisierbaren Vorlauftemperaturen.
Wer ist nach VDI 4645 für die Auslegung verantwortlich — Bohrfirma oder Heizungsbauer?
Die VDI 4645 unterscheidet klar zwischen Gesamtanlagenplanung und Wärmequellenplanung. Die Gesamtanlagenplanung — inklusive Wärmepumpenauswahl, Heizlastberechnung und hydraulischer Einbindung — liegt beim Planer oder Heizungsbauer. Die Bohrfirma ist verantwortlich für die fachgerechte Ausführung der Wärmequellenanlage nach VDI 4640 Blatt 2 und muss sicherstellen, dass die geforderte Entzugsleistung und Quellentemperatur erreicht werden. Die Zuständigkeitsmatrix der VDI 4645 (Kapitel 7, Tabelle 3) definiert, welcher Beteiligte in welcher Planungsphase einbezogen werden muss.
Was ist der Unterschied zwischen VDI 4640 und VDI 4645?
Die VDI 4640 regelt die thermische Nutzung des Untergrunds — also alles rund um die Erdwärmequelle selbst, von der Sondenauslegung über die Bohrung bis zur Verpressung. Die VDI 4645 regelt die Gesamtanlage, also die Heizungsanlage mit Wärmepumpe im Gebäude — inklusive Wärmepumpe, Speicher, Hydraulik, Regelung und Wärmeübergabe. Vereinfacht gesagt deckt die VDI 4640 alles im Bohrloch und darunter ab, die VDI 4645 alles im Haus und darüber. Beide Normen müssen zusammen betrachtet werden, damit eine Erdwärmeanlage funktioniert.
Braucht eine Bohrfirma die Schulung nach VDI 4645 Blatt 1?
VDI 4645 Blatt 1 richtet sich primär an Planer und Heizungsbauer, die Wärmepumpenanlagen konzipieren und errichten. Für Bohrfirmen ist die Schulung nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll — insbesondere die Kategorie PE (Planung und Errichtung, 800 Minuten Schulungsumfang). Wer die Zusammenhänge der Gesamtanlage versteht, kann in der Kommunikation mit dem Heizungsbauer auf Augenhöhe agieren und Planungsfehler frühzeitig erkennen. Die Prüfung umfasst 40–45 Multiple-Choice-Fragen, die in 120 Minuten bearbeitet werden. Zum Bestehen sind zwei Drittel korrekte Antworten erforderlich.
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